Freitag, 11. Dezember 2015

Hilfe für Kinder und Frauen in Afghanistan


http://www.bpb.de/cache/images/4/157564-3x2-original.jpg?87742


Heute möchte ich euch auf ein paar sehr schöne Projekte in Afghanistan aufmerksam machen:
Kinder und Frauen lernen dort zu sticken, traditionelle Techniken werden dabei mit neuem buntem Leben gefüllt. Es gibt auch verschiedentlich Anbieter übers Netz.
wer mehr darüber wissen möchte, sieht hier nach:

http://www.guldusi.com
http://www.deutsch-afghanische-initiative.de/projekte/frauenprojekte/index.html

Hoffen wir, dass der Frieden in das Land zurückkehrt, in dem es vor Kurzem so viel Grund zur Hoffnung gab!

TL

Dienstag, 10. November 2015

Warum fliehen wieder so viele Afghanen nach Deutschland?

Jeder, der kann, verlässt das Land
Der Andrang bei der Passbehörde in Kabul ist so groß wie noch nie. Da es zu viele Antragsteller gibt, werden die Passanträge nur von 6.00 bis 7.00 morgens angenommen. Wer danach kommt, wird abgewiesen und muss am nächsten Tag erneut antreten. Täglich werden zwischen 1.000 und 3.000 neue Pässe ausgestellt und dies allein in Kabul.
Wer in Afghanistan einen Reisepass beantragt, will das Land wohl verlassen und erst dann zurückkehren, wenn Frieden herrscht. Wann wieder Frieden in Afghanistan herrschen wird, kann niemand sagen. 
Hamida und Abdul haben Glück und ihre Anträge werden angenommen. Sie sollen in fünf Wochen zur Abholung der Pässe wiederkommen. Hamida und ihr Ehemann Abdul fürchten die grausamen Taliban, denn Abdul wurde schon einmal ins Gefängnis gesteckt, als die Taliban 1997 Kabul erobert haben. Abdul arbeitet als LKW Langstreckenfahrer und verdient nur sehr wenig. Er und seine Frau haben sieben Kinder. Vier sind von der eigenen Familie, drei sind Nichten. Der Bruder von Abdul ist vor zehn Jahren bei einem Autounfall gestorben. Die Schwägerin von Abdul hat noch einmal geheiratet. Nach afghanischem Recht durfte sie die Kinder nicht behalten. So hat der Onkel die Kinder zu sich genommen und erzieht sie, als wären sie seine eigenen Kinder. Die älteste Tochter will Sängerin werden und hat sich an der Kabuler Universität für den Studiengang Musik eingeschrieben. Doch momentan sieht es schlecht aus, mit einer Karriere als Sängerin. 
Schlecht sieht es auch mit Afghanistan aus. Viele Afghanen fürchten, was kürzlich in Kunduz passiert ist, kann in anderen Städten auch passieren. 
Die Familie sieht keine Zukunft mehr und will nach Europa. 
Vielleicht nach Deutschland, vielleicht nach Großbritannien. 

Abdul hat vor einigen Jahren ein kleines Häuschen in Kabul geerbt. Das will wer verkaufen. Eine Flüchtlingsreise nach Deutschland kostet etwa 10.000 USD pro Person, so sagt er. Das zweistöckige Haus hatte vor fünf Jahren noch einen Wert von über 200.000 USD - die Grundstückspreise waren zu diesem Zeitpunkt horrend. Es wurde viel Geld durch die internationale Gemeinschaft in Afghanistan investiert, und die Grundstückspreise sind mit den Jahren gestiegen. Seit 2012 fallen sie, weil die Hilfen nun zurückgehen. Jetzt - wenn er Glück hat - bekommt er dafür 70.000 USD. Genau diese Summe braucht die Familie für die Flucht.  

David Majed, Kabul





Dienstag, 3. Februar 2015

Die schwierige Identitätsfindung von jungen Flüchtlingen

Kabul heutzutage


Flüchtlinge verlassen das Land, in dem sie seit ihrer Geburt leben, in dem alles vertraut ist und dem sie sich vollständig zugehörig fühlen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, doch die meisten flüchten vor einem Konflikt oder Bürgerkrieg, bei dem ihre Existenz zerstört wurde und geliebte Menschen umgekommen sind. Menschen gehen fort, um ihr Leben zu retten.

 Von Afghanistan nach Deutschland müssen Flüchtlinge über 6 000 Kilometer hinter sich bringen. Nicht selten flüchten Familien mit ihren Kindern.

 Eine „beliebte“ illegale Route führt zunächst über Iran in die Türkei. Darauf folgt eine unsichere, lebensgefährliche Reise – über das Mittelmeer von der Türkei mit kleinen Booten nach Griechenland. Diese Bootsüberfahrt endet für viele Flüchtlinge tödlich. Diejenigen, die es schaffen, illegal in Griechenland anzukommen, fahren von dort weiter nach Deutschland. In der Bundesrepublik beginnt im wahrsten Sinne des Wortes ihr neues Leben.



 Die Ankunft in Deutschland ist für sie buchstäblich wie das Paradies auf Erden. Alles ist sauber, alles ist geregelt, alles sieht schön aus. Und es ist friedlich. Keine Bomben, keine Schüsse und keine Kampfjets.


 Identitätsfindung
 Während die jugendlichen Flüchtlinge die deutsche Kultur schnell annehmen, wollen die Eltern meist ihre kulturelle Identität erhalten, denn ihnen ist das Neue zu fremd. Das Erlernen der deutschen Sprache fällt den Eltern schwer, was zu einem gravierenden Hindernis für ihre Integration wird. Damit die vertrauten Verhaltensweisen und die Heimatkultur nicht verloren gehen, erwarten die Eltern, dass ihre Kinder die Gepflogenheiten der Heimat unbedingt befolgen. So gibt es zum Beispiel afghanische Familien, in denen die Mädchen islamische Kleidervorschriften beachten müssen; Liebesbeziehungen zwischen Mädchen und Jungen anderer Herkunft sowie Discobesuche samt Alkoholgenuss sind verboten…

zum Weiterlesen: 

http://www.dandc.eu/de/article/david-majed-wie-junge-fluechtlinge-deutschland-zurechtkommen-und-sich-auf-identitaetssuche

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Die erste Lesung seit dreißig Jahren in Kabul

 Am 19.11.2014 fand unsere erste Lesung außerhalb Deutschlands, nämlich in Kabul statt. Die Lesung wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kabul, Kabuler Universität und Afghan Films organisiert. Es kamen deutsche Entwicklungshelfer, deutsche-afghanische  Experten, afghanische Deutsch-Studenten und Dozenten der deutschen Fakultät.

Vor dem Lesen zeigte „Afghan Films“ einen historischen Kurzfilm aus der Zeit direkt nach der Machtübernahme durch das kommunistische Regime aus dem Jahr 1979.



Prof. Behbud und Thomas Wiebierzbicki
 Der Fakultätsleiter Prof. Behbud sagte in seiner Eröffnungsrede, dass dies die erste literarische Lesung seit 30 Jahren sei. 
 Verschenkt wurden zwei Exemplare des „Der Himmel ist ein Taschenspieler“, die jetzt in der literarischen Reihe der Deutsch-Fakultät platziert sind.
 Gerade für die afghanischen Deutsch-Studenten war es spannend zu erfahren, mit welchen tiefen Gefühlen die Exil-Afghanen in die „Heimat“ zurückkehren. Nach dem Vorlesen antwortete David Majed die Fragen der Zuhörer.
 Anschließend aßen die Gäste leckeres Qabuli (Basmati-Reis mit Lammfleisch, hauchdünngeschälte Möhren, Rosinen und Mandeln) und plauderten lange.  



Freitag, 24. Oktober 2014

Afghanistans First Lady: Rula Ghani


Afghanistan ist immer für eine Überraschung gut. Zum ersten Mal in der afghanischen Geschichte ist die Ehefrau eines Staatspräsidenten keine Afghanin, sondern eine libanesische Christin. Zum ersten Mal seit 30 Jahren ist die Frau eines afghanischen Staatschefs in der Öffentlichkeit zu sehen. Zum ersten Mal dankt ein afghanischer Staatspräsident in der Öffentlichkeit seiner Frau für ihre jahrelange Unterstützung.
Rula Ghani hat sich auf die Fahne geschrieben, afghanische Frauen zu unterstützen, dass sie mehr Gehör, Respekt, Bildung und Eigenständigkeit in der Gesellschaft finden. Sie hat hierfür bereits ein Büro im Präsidial-Palast, dem sogenannten Arg, eröffnet. Sie möchte das Gehör der afghanischen Frauen sein und deren politischen Forderungen an ihren Mann weitergeben.
Rula traf Ashraf Ghani zum ersten Mal Anfang der 70iger, wo sie beide an der Amerikanischen Universität in Beirut Politikwissenschaften studierten. Rula Ghani war zuvor an dem renommierten Politischen Institut in Paris, wo sie sich den studentischen Protestbewegungen der 68iger angeschlossen hatte. Als sie in den Libanon zurückgekehrt war, ging sie in den Süden des Landes schloss sich einer freiwilligen Gruppe an, um die Schulen zu bauen.
Nachdem Ashraf sein Studium abgeschlossen hat, kehrte er 1974 zurück nach Kabul. Sie  begleitete ihn, um seine Heimat kennenzulernen. Die Eltern von Rula hatten Bedenken, ihre Tochter in ein fremdes Land zu lassen und so lud Ashraf Ghani ihren Vater in das berühmte Inter Continental Hotel ein. Die Familie von Ashraf Ghani fuhr von der nahe gelegenen Stadt Jalalabad nach Kabul, damit die Familien sich begegnen – so wie es traditionell Brauch war. Ihr Vater gab schließlich seinen Segen zur Hochzeit und so blieben die beiden bis 1977 in Kabul. In diesem Jahr erhielt Ashraf Ghani ein Masterstudiengang-Stipendium an der Columbia University. Als 1979 die rote Armee in Afghanistan einmarschierte, blieben beide in den USA.
Rula Ghani spricht inzwischen fließend die Landessprache Dari.
Rula und Ashraf Ghani haben eine Tochter (Mariam, 36 Jahre) und einen Sohn (Tarek, 28 Jahre).
David Majed, Kabul

Hier ein Foto von Rula Ghani und ihrem Mann:

http://www.nbcnews.com/news/world/will-afghan-leader-ashraf-ghani-bow-pressure-hide-his-wife-n210331

Sonntag, 28. September 2014

Anahita Ratebzad - Erinnerungen an eine starke afghanische Frauenrechtlerin und Politikerin





Anahita Ratebzad, Kabul zu Beginn der 1980er


Anahita Ratebzad wurde wahrscheinlich im Jahre 1930 in der Nähe von Kabul geboren. Sie besuchte bis 1947 das Malalai-Gymnasium in Kabul. Sie erhielt dann ein Stipendium von der Chicago School of Nursing. Nach ihrer Rückkehr aus den USA leitete sie den Krankenpflegedient im Kabuler Frauenkrankenhaus. 1957 schrieb sie sich als Medizin-Studentin an der Kabuler Universität ein. 1963 schloss sie ihre Promotion mit Dr. med. ab. Damit war sie eine der wenigen Ärztinnen landesweit. 

Nach ihrem Studium widmete sie sich voll und ganz der Politik. 1965 erhielten die afghanischen Frauen zum ersten Mal das aktive und passive Wahlrecht. Sie stellte sich zur Wahl und wurde in das afghanische Parlament gewählt. Frauenförderung, Bildung für Alle und soziale Gerechtigkeit lagen ihr sehr am Herzen.  
Sie gründete die Demokratische Frauenbewegung, die sich in der männerdominierten Gesellschaft für die Stärkung der Rechte der Frauen einsetzte.


Kabul, Ende der 1970er


Kabul, Anfang der 1990er
Nach der Machtübernahme durch die kommunistischen Parteien 1978 wurde sie zur  Sozialministerin ernannt, danach war sie viele Jahre Bildungsministerin. Mit ihrer Unterstützung wurde erreicht, dass - zumindest in den Städten - Frauen in der Gesellschaft, in der Politik und in der Berufswelt gleichberechtigt behandelt wurden. Eine ihrer Errungenschaften war die Schaffung des Frauenministeriums, das bis heute besteht.

Nach dem Sturz der Sowjetunion 1992 verlor das kommunistische Regime den Kampf gegen die moslemischen Mujaheddin. Anahita Ratebzad floh zunächst nach Russland blieb bis 2001. Sie reiste 2001 in die Bundesrepublik ein und lebte bis zum ihren Tod in Deutschland.

Anahita Ratebzad war mit einem Hochschullehrer verheiratet und hatte drei Kinder.

Dr. Ratebzad, die wohl die einflussreichste Frau des 20. Jahrhundert in Afghanistan, hat am 07.09.2014 für immer die Augen geschlossen. 
Am 17.09.2014 wurde sie auf dem Kabuler Friedhof beerdigt.

Freitag, 12. September 2014

Bamyan: Buddhas, Berge und ein Festival

Bamyan als Buddhistisches Zentrum 




Die afghanische Provinz Bamyan wurde von der SAARC (South Asian Association for Regional Cooperation) als kulturelle Hauptstadt 2015 auserkoren.
SAARC-Mitgliedsstaaten sind Nepal, Indien, Bangladesch, Butan, Sri Lanka, Malediven, Afghanistan und Pakistan. Das offizielle Programm beinhaltet Kunstausstellungen, Folkloretänze und Musik, Bazare mit Handwerkskunst sowie ein Literatur- und Filmfestival. Zudem gibt es Wettbewerbe im Essays-Schreiben und Malen. Abends wird das Buddha-Night-Festival gefeiert.

In dieser Aushöhlung oder Nische standen einst die beeindruckenden Buddhastatuen. Die größere der Skulpturen wurde als Dikampra bezeichnet, von den Einheimischen Khonuk But und auf Persisch hieß sie Solsol, was so viel bedeutet wie "Licht erfüllt das Universum"

Das Fest beginnt im Januar 2015, also im kalten Winter. Das Bamyan-Tal befindet sich im Herzen Afghanistans auf einer Höhe von 2500 Metern, sodass die Besucher die Möglichkeit haben, dort auf schneebedeckten Bergen Ski zu fahren. Bamyan war schon in der Antike durch seine Lage begünstigt; es befindet sich an einer der Haupthandelsrouten, die das „Abendland“ mit China und Indien verbinden, der berühmten Seidenstraße. Es diente als Zwischenstopp und Haltestelle für Handelskarawanen und entwickelte sich zu einer bekannten künstlerischen Stätte. Alexander der Große soll mit seinen Truppen über Bamyan nach Indien marschiert sein.

Außerdem wurde es über Jahrhunderte zu einem großen buddhistischen Zentrum. Zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. entstanden entlang der damaligen Handelsrouten eine Reihe buddhistischer Orte - Stupas, Tempel und Klosterstätten. Diese buddhistische Kunst wurde wesentlich durch die früher weiter südlich entstandene Gandhara-Kultur und die indische Gupta-Kultur beeinflusst, wobei das Ergebnis dieser kulturellen Synthese in seiner Art einzigartig war.
Das bewundernswerteste Zeugnis aus dieser Zeit sind die beiden 53m und 35m hohen, stehenden Buddha-Statuen, die jedoch im Sommer 2001 von den Taliban zum größten Teil geprengt worden sind.

Hier sieht man die Überreste der Sprengung

Rund um die Figuren waren Gänge und Galerien in den Fels gehauen und Hunderte von Gebetshallen und Wohnhöhlen angelegt worden, die teils mit reichhaltigen Wandmalereien verziert waren. Dort lebten buddhistische Mönche.
Die Zahl der gegenwärtig in Bamyan vorhandenen Höhlen wird auf etwa 1000 geschätzt. Einige der Wandmalereien wurden als die ältesten bekannten Gemälde der Welt identifiziert.

Die schiitischen Hazara, ein friedfertiges Volk, bevölkern die Provinz. Übrigens regierte dort von 2009 bis 2013 eine Frau als Gouverneurin – Habiba Sabari: die einzige in ganz Afghanistan!
Die Landschaft ist einzigartig schön! Sie ist von Gebirgen und großzügigen Landschaftsebenen umgeben. In Bamyan befinden sich sieben Seen, der bekannteste und schönste unter ihnen ist der tiefblaue Bande-Amir.
David Majed, Kabul

Eine der Höhlen

Copyright: Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Ludmilla Khodai zur Verfügung gestellt; herzlichen Dank dafür!
ludmilla298@gmail.com

PS: Französische Archäologen hatten begonnen, die zersprengten Teile der Buddha-Statuen wieder zusammenzufügen. Zur Zeit ruht diese Arbeit, doch die Hoffnung besteht, dass eines Tages - wenn das Land sicher geworden ist - die Buddha-Statuen wieder aufgebaut werden können.

Freitag, 4. Juli 2014

Lyrik von Omar Chajjam



In mir ist beides: Himmelreich und Hölle.
In mir ist Gott und Teufel, Lust und Qual.
Ich bin das Meer, ich bin die Quelle,
Ich bin der Leichnam, ich bin der Schakal.

Ich bin von einer Nacht zum Morgen wieder
Der leichte, lose Junge, der ich war.
Ich trage wie im Tanze meine Glieder,
Und Frühlingswinde rauschen durch mein Haar.


Zwei so unterschiedliche Verse, zwei so verschiedene Stimmungen: in den Rubbajat genannten Vierzeilern des Dichters Omar Chajjam, den hier der deutsche Dichter Klabund (1890 - 1928) frei übertragen hat, findet sich die ganze Spanne menschlicher Regungen. 1916 kam Klabunds Band mit Nachdichtungen heraus.
Chajjam selbst lebte von 1048 bis 1131 in Nischapur, er war Mathematiker, Astronom und einer der bedeutendsten persischen Dichter.
Faruq, der Lehrer, der an Mahboobs alter Schule unterrichtet und sich mit seinem ehemaligen Schüler anfreundet, macht ihn auf diesen Dichter aufmerksam.
In einen eigenwilligen Dialog tritt Mahboob mit dem Dichter, wenn er über sein Schicksal nachdenkt. Hinter der Nüchternheit und Skepsis Chajjams verbirgt sich eine Haltung, die ein wenig an die europäischen Aufklärer erinnert: Dem Himmel ist nicht zu trauen, immer wieder überrascht er den Menschen mit ungeahnten Wendungen. Chajjams Appel an den Menschen lautet daher: seinen eigenen Kopf zu benutzen, wachsam zu sein, auch dankbar der Schöpfung gegenüber, indem er sich am Leben erfreut.

Laßt uns die Segel nach den winden hissen
Und achtet auf der Möven Flug!
Sie ahnen nicht, sie wissen ...
Und ihnen dünkt ihr weißes Sein genug ...


Die Übersetzung Klabunds entnahm ich der sehr schönen bibliophilen Ausgabe des Roland-Verlags München von 1921 (1. Auflage 1917), mit Illustrationen von Willy Orth. 




Montag, 16. Juni 2014

Stichwahlen in Afghanistan

Am Samstag, den 14.06.2014 haben die Afghanen in einer Stichwahl ihren neuen Staatspräsidenten gewählt, der Hamid Karzai nach 13 Regierungsjahren folgen wird. Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani treten gegeneinander an, zwei Kontrahenten, die gegensätzlicher nicht sein können: Diplomat gegen Technokrat, Akademiker gegen Charismaten, Traditionalist gegen Modernisierer. Abdullah wird die besten Chancen auf den Einzug in den Arg (Präsidentenpalast) eingeräumt, weil er im ersten Wahlgang 44% der Stimmen erhielt, während Ghani mit 33% den zweiten Platz belegte. Diese Stichwahl ist als eine Stärkung der jungen Demokratie zu bewerten, denn zum ersten Mal in der afghanischen Geschichte wird die  Staatsmacht aufgrund von freien Wahlen übergeben.
Doch wer sind eigentlich Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani?

http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAshraf_Ghani_Ahmadzai_in_July_2011-cropped.jpg

Abdullah Abdullah (geb. 1960 in Kabul) war Sprecher des legendären Widerstandsführers Ahmad Shah Massud, der gegen die sowjetische Besatzung und das barbarische Regimes der Taliban kämpfte. Er gehört zu der Mujaheddin-Allianz. Abdullah war von 2001 – 2005 Außenminister und gilt als umgänglicher Staatsmann, der eine ausgleichende Politik sucht.  Seine Wählerschaft kommt überwiegend aus dem Norden des Landes, wo die meisten Tadjiken leben. 

http://www.google.de/imgres?imgurl=http://assets.rappler.com/612F469A6EA84F6BAE882D2B94A4B421/img/9F743A9A7850455B8C021E09B6125577/afghanistan

Ashraf Ghani (geb. 1949 in Logar) ist ein früherer Weltbank-Ökonom, war einer der Architekten der Bonner Afghanistan-Konferenz und wurde später afghanischer Finanzminister (2002- 2004). Ashraf Ghani gilt ein Technokrat, der nicht gewillt ist, über seine politischen Positionen zu verhandeln, und verfügt über starke Durchsetzungskraft. Seine Wählerschaft liegt bei den Reform orientierten Afghanen und in den paschtunischen Gebieten in Süden und Südosten des Landes. Ashraf Ghani verließ 1977 das Land, promovierte an der Columbia-University (USA) und kehrte nach dem Sturz der Taliban nach Afghanistan.  Insgesamt bleibt spannend, für welche Persönlichkeit und Politik sich das afghanische Volk entscheidet.
David Majed, Kabul

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein Sportwagen im Schnee in Kabul



Sher Ahmad, Mahboobs Vater, ist ein großer Liebhaber westlicher Autos. Jedes Mal, wenn er - als Mahboob klein war - für seinen Minister nach Deutschland fliegen musste, überführte er auf dem Rückweg ein Auto nach Kabul. Die Strecke über Land war weit - sechstausend Kilometer - und gefährlich, aber es machte ihm Freude.
Wir sehen hier das Vorbild für diese Leidenschaft, Davids Vater, in den Siebzigern, in einem seiner Lieblingsautos, einem Karmann Ghia, etwa 1974, im Schnee in Kabul. In vielen anderen Aspekten unterscheiden sich Davids und Mahboobs Vater allerdings gewaltig. So war Davids Vater mit der Familie zusammen ausgewandert, im Jahr 1984. Mahboob und seine Mutter fliehen bereits 1979, im Herbst, wenige Wochen vor der Invasion durch die Sowjetunion.

Dienstag, 27. Mai 2014

Lesereise, deutsch-afghanische Freundschaften, Leben mit dem Bindestrich






Von unserer zweiwöchigen Lesereise durch Deutschland gibt es vieles zu berichten. Da wir so viele Menschen getroffen haben, gereist sind und viel kommuniziert haben, mussten wir hier eine kleine Pause einlegen.
Jetzt geht es wieder los.

Obwohl die Ereignisse in der Ukraine viele beschäftigten, trafen wir auf zahlreiche Menschen, die sich darüber Gedanken machen, wie es in Afghanistan weiter geht. Die etwas über dieses Land wissen wollten. Erstaunlich oft hatten sie einen persönlichen Bezugspunkt: Einer war als Soldat mehrere Jahre dort und ist inzwischen "süchtig nach dem Land", er arbeitet an der Entwicklung der eigenständigen afghanischen Sicherheitsstrukturen mit. Eine Dame aus Bayern hütete in Herat und Kabul ihr Enkelkind, während ihre Tochter mit Schülerinnen ein Theaterprojekt einstudierte. Ein anderer Herr hatte einen afghanischen Schwiegersohn, und eine ältere Frau war als Hippie dort. Ein junger Theaterregisseur arbeitet an einem Theaterstück mit einem jungen Kabuler Dramatiker, den er über das Internet kennengelernt hat; wir werden noch darüber berichten. In München kamen auch StudentInnen, die selbst in Afghanistan zur Welt gekommen sind oder deren Eltern.
Ein immer wiederkehrendes Thema war aber auch über Afghanistan hinaus die Frage, inwieweit Menschen mit einer doppelten oder mehrfachen kulturellen Zugehörigkeit in unserer Welt als Brückenbauer atätig werden können, welche Reichtümer sie vermitteln können. Zum Thema "Leben mit dem Bindestrich", wie die indisch-amerikanische Schriftstellerin Jumpa Lahiri diese Doppeltheit einmal genannt hat, werden wir hier auch andere einladen, zu Wort zu kommen.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Afghanistan sind vielfältige, und viele sind noch gar nicht bekannt; sie sind vielleicht wie ein kleines Kind, das noch wachsen und gedeihen wird ...
In diesem Sinne grüßen wir heute mit diesem Foto eines Kindes in Kabul, das David in einem Fotoalbum seiner Familie fand, alle, die sich für diesen Dialog interessieren und wir laden alle ein, hier auch ihre Fragen zu stellen.

Dienstag, 6. Mai 2014

Vorläufiges Wahlergebnis & Blumenfeste in Afghanistan

Jetzt steht das vorläufige Ergebnis fest: Abdullah Abdullah erreicht fast 45%, gefolgt von Ashraf Ghani mit 32%. Abdullah ist überraschender Sieger der Wahlen. Er gewann in meisten Provinzen, eines seiner starken ist Parwan - unweit von Kabul.
In Parwan kamen letzte Woche Menschen aus der Umgebung zusammen, nicht aber um politischen Wahlkampf zu machen, sondern das Blütenfest des Judabaumes (mele arghawan) zu weihen. Afghanistan feierte vor den Kriegen viele Frühlingsfeste im ganzen Land. Der berühmteste war und ist Red-Flower-Fest (mele gule sorkh), das ganz besonders in Mazar-i-Sharif zum Nauroz gefeiert wird.    Menschen kommen von nah und fern.
Nach der Tradition glauben die Afghanen, dass das Fest Segen in Form von Freude, Frieden und Freundschaft bringen wird. Außerdem soll die Ernte gut werden. Das Fest stammt aus vor-islamischer Zeit und ist etwa 5000 Jahre alt. Insgesamt gibt es in Afghanistan unter anderem das Anar-Blüten-Fest (Granatapfel) in Kandahar und Nengarhar und das Tut-Fest (Maulbeeren) in Kapisa und Panjshir.
Die Menschen bereiten besondere Gerichte zu, machen ihre Häuser pikobello sauber. Die Männer gesellen sich draußen mit Freunden und Verwandten. Der Tee wird im Samowar gekocht, Süßigkeiten wie Ferni (eine Art Pudding) und Sambosa werden verzehrt. Jungen lassen Drachenflieger steigen. Mit traditionellen Instrumenten wie Harmonium und Tabla singen sie klassische und folklorische Lieder auf Dari, Pashto oder Indisch. Es wird den ganzen Tag gesungen und getanzt.Weil die Gesellschaft immer noch traditionell ist, bleiben die Frauen zuhause. Sie tun sich mit Nachbarinnen, Freundinnen und nahen Verwandten zusammen. Sie probieren neue selbstgenähte Kleider an und zeigen ihre Schmuckstücke an, die ihre Ehemänner zuvor gekauft haben.

Bilder dazu findet man auf: www.tolonew.com
https://www.facebook.com/afghanistanstreets

Freitag, 2. Mai 2014

How to write ...

Über eine Sendung mit der Feldpost aus Afghanistan und den Beginn einer Zusammenarbeit ... siehe Arbeit am Roman!

Donnerstag, 1. Mai 2014

Abduls Bolanirezept & Kaboul Kitchen

Abdul, Diener, Koch und Gärtner des Vaters von Mahboob, beherrscht die afghanische Küche. Ein beliebtes Alltagsgericht, das auch er gern zubereitet, sind Bolanis, gefüllte Teigtaschen.
Bolanis gibt es in vielen Varianten, mit Kräutern, mit Lauch, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen oder Hackfleisch, ein patentes Essen, das alle lieben.

400 g Mehl
3 EL Olivenöl
2 rote Paprikaschoten
2 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Koriander
1 Bund Dill
frische Minzblätter
1/3 TL scharfes Paprikapulver
Kräuterbutter

Gib Mehl und 2 Tl Salz in eine Schüssel, dazu 2 EL Öl, etwas warmes Wasser und knete es zu einer schönen Teigkugel. Lege ein Tuch auf die Schüssel und lies ein paar Gedichte von Rumi, sagen wir, eine gute Stunde. Oder beschäftige dich schon mal mit dem Gemüse und den Kräutern: alles erstmal waschen. Dann Koriander, Dill und die kleinen Frühlingszwiebeln mit allem Grün hacken. Dann die Paprika entkernen und würfeln. Die Zwiebeln und die Kräuter quetschst du ein bisschen in der Hand, damit nicht zu viel Saft darin ist. Dann mischst du es mit den Paprikawürfeln und dem Salz.
Wenn du mit den Kräutern und eins, zwei Gedichten fertig bist, nimmst du dir die Teigkugel vor knetest ihn kräftig und machst zehn Kugel daraus. Die Kugel, ermattet vom Kneten wie du, möchten sich dann etwa zehn Minuten zugedeckt ausruhen.
Danach rollst du sie auf einer bemehlten Fläche aus und packst auf jeweils eine Hälfte ein paar Löffel von der Kräuter-Paprika-Mischung. Zusammenklappen, Ränder mit feuchten Händen schön zusammenbappen und flach drücken.
Du heizt den Ofen auf 200 Grad Celsius hoch, fettest ein Blech mit Öl ein, packst drei bis vier Taschen darauf und lässt sie goldbraun backen.
Du kannst die fertigen Bolanis mit Kräuterbutter bestreichen; es geht aber auch ohne.
Abdul empfiehlt dazu: eine ordentliche Portion frischen, kühlen Joghurt.
Bon appetit!

In Berlin bekommst du sehr leckere Bolanis im einzigen afghanischen Imbiss der Stadt, dem Chilli&Chutney in Kreuzberg in der Eisenbahnstraße, direkt gegenüber der Markthalle.

http://ceecee.cc/tara-dominguez-empfiehlt-chili-chutney/
https://www.facebook.com/chili.chutney.berlin

Da Afghanen you-tube lieben, findest du dort auch viele lustige Filmchen, die dir beim Kochen helfen.
https://www.youtube.com/watch?v=7hI51-osfgU&list=PL6B5784F400EA50C2&index=7


Aber auch afghanisch-amerikanische Köchinnen bieten ihre Hilfe an...

https://www.youtube.com/watch?v=j7ZT7PXgbq4
 
 https://www.youtube.com/watch?v=TgZyeKcZnMU

https://www.youtube.com/watch?v=TgZyeKcZnMU


Hier noch etwas ganz Schräges: eine französische Serie mit dem Titel "Kaboul Kitchen".
Na, mal sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=pBlQOrm5Nv8

Sonntag, 27. April 2014

Frühling & Wahlen im fernen Wakhan-Distrikt

Es ist kalt, bitter kalt, obwohl der Frühling längst woanders angefangen hat. Der Himmel ist klar, die Luft ist sauber und die Sonne scheint stark. Weit und breit Schnee, weißer glänzender Schnee. Wir sind nicht in Kabul, sondern in Wakhan. Der Wakhan-Distrikt (Provinz Badakhshan) liegt nur 1.800 Meter tiefer als der Mount Everest. Ihr schmales Hochtal bildet den Korridor zwischen Afghanistan,  Tadschikistan, China und Pakistans. An einer Grenzstelle kann man in Wakhan die Gebirgsketten der drei Staaten bewundern.


Einfache Lehmhäuser im April
                                             
Die Menschen leben sehr traditionell, fast wie vor tausenden Jahren. Die allermeisten Menschen sind sehr arm, aber glücklich. Straßen gibt es kaum, die Autos können nicht schneller als 25 km/h fahren. Manchmal dauert die Fahrt von einer Gemeinde in die andere einen Tag. Auch die Wakhanis wählten – aber in Wahllokalen getrennt nach Frauen und Männern.


Yute-Zelt in den Sommermonaten

Die Wahlurnen wurden per Esel und Auto in die Provinzhauptstadt Faizabad gebracht. Leider ist die Stimmenzählung in Faizabad nicht abgeschlossen. Dafür hat die Wahlkommission am Ostersonntag die zweite Etappe der Ergebnisse veröffentlicht: Nach 50% der gezählten Stimmen liegt Abdullah Abdullah an der Spitze mit 44,4%, gefolgt von Ashraf Ghani (33,2%), Zalmai Rassul (10,4%) und Abdul Rassul Sayaf (7%). Damit ist jetzt schon klar: den Einzug in den Präsidenten-Palast kann entweder Abdullah oder Ghani schaffen. Zalmai Rassul und Abdul Rassul Sayaf können mit ihren Stimmen die Wahl zugunsten eines Kandidaten beeinflussen.
Nun bleiben alle gespannt auf Veröffentlichung des vorläufigen Gesamtergebnisses.
Vielleicht geschieht es früher als geplant ...





Dienstag, 15. April 2014

Zu den Wahlergebnissen aus Kabul, Frauenpower & Frühling!


Die Bäume blühen und duften, die Vögel zwitschern, diese Wiesen sind überall grün.
Die Paghman-Bergen nahe Kabul sind dagegen an der Spitze weiß - immer noch bedeckt von dem Winterschnee. Das malt ein traumhaft schönes Bild von der Landschaft. Weiß und grün, weiß in grün!
In der Wahlkommission wird eifrig gezählt. Jetzt wurde das bisher Gezählte bekannt gegeben: Nach dem Ergebnis der gezählten 10% der Stimmen liegt Dr. Abdullah an der Spitze mit 41,9%, gefolgt von Dr. Ashraf Ghani (37,6%) und Dr. Rassul (9,8%). Es heißt aber, dass es Ungereimtheiten gegeben haben soll.
Trotz all der Ungereimtheiten steht ein wirklich positives Ergebnis der Wahl schon fest: Es haben mehr als 30% Frauen ihr Kreuzchen gemacht. Das mag auf dem ersten Blick für westliche Verhältnisse nichts Besonderes sein, doch für Afghanistan schon.
Wenn man bedenkt, dass Frauen in den Distrikten und Dörfern jeglicher Rechte beraubt werden, sie am öffentlichen Leben und der Tagespolitik überhaupt nicht teilnehmen (dürfen), ist das schon bedeutend. Ihre Beteiligung ist ein klares Zeichen, dass afghanische Frauen ihr Land politisch mitbestimmen wollen! Zudem machten einige starke Politikerinnen aktiv Wahlkampf. Die bekannteste ist Habiba Sorabi, die ehemalige Gouverneurin der Provinz Bamyan.

Die international bekannte afghanische Parlamentarierin Fawzia Koofi hatte angekündigt, sich als Präsidentschaftskandidatin aufzustellen, doch sie hat davon Abstand genommen, weil es zu früh sei. Sie wartet bis 2019, bis die junge Generation, die aufgeschlossen wäre für ihre modernen politischen Ideen sind, wählen können und die jetzigen mächtigen Warlords nicht mehr (stark) an der Macht sind.  Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Parlamentarierin Mariam Koofi, die ältere Schwester von Fawzia, von einem bewaffneten Mann schwer verletzt wurde.

Schöne Fotos zu den Wahlen findet ihr hier:
http://www.bbc.com/news/world-asia-26893972

David Majed, Kabul


So viel zur aktuellen Situation in Kabul, nun ein Wort zu den emanzipierten Frauenfiguren in unserem Roman:


Tante Farida, die Schwester von Mahboobs Mutter, ist eine von ihnen.
Mahboob erinnert sich an sie, ihre klirrenden Armreifen, ihr rauhes Lachen ... 

Tante Farida war sehr "modern". Meinem Vater verschlug es die Sprache, wenn sie sich in seinem Beisein ungeniert eine Zigarette anzündete. Wenn sie den eigenwilligen Kopf in den Nacken legte und den Rauch an die Decke blies. Sie hatte große dunkelbraune Augen und sehr kräftiges, dichtes Haar, das ihr auf die Schultern fiel; zur Arbeit bändigte sie es mit einer Haarspange, die sie oft bei uns abnahm, so dass ich zusehen konnte, wie ihre Mähne auseinandersprang. Diesen Auenblick liebte ich ganz besonders.
(I, 8)

Tante Farida hat in den sechziger Jahren, als die Sowjets das Land bestimmten, aber auch Franzosen, Amerikaner und Deutsche im Land Entwicklungsprojekte finanzierten, Universitäten bauten und für die Bildung von Frauen eintraten, eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Als Mahboob klein ist, also Anfang der siebziger Jahre, arbeitet sie im Krankenhaus.
Sie erzählt Mahboobs Mutter von allem, was sie dort erlebt und was ihr zu Ohren kommt, vor allem, als sich Ende der siebziger die Situation unter den Sowjets, die immer mehr Macht im Land gewinnen, verschärft...

Mehr zu ihrer Figur siehe in unserer Rubrik "Die Arbeit am Roman".





Freitag, 11. April 2014

Kabul, nach den Wahlen




Jetzt ist das Wetter richtig angenehm in Kabul. Man sagt, dass der erste Monat im Jahr Hamal (21. März – 20 April) der schönste ist. Die Sonne scheint immer stärker und wärmt die Menschen und gibt ihnen Energie. Der Himmel ist blau, schön blau - von wenigen Regentagen abgesehen!

Inzwischen haben alle Wahlurnen Kabul erreicht, denn gezählt werden darf nur in der Zentrale der Wahlkommission. Nach inoffiziellen Angaben sind Dr. Ashraf Ghani, Dr. Abdullah Abdullah und Dr. Zalmai Rassul vorne und kämpfen um den Einzug in den Arg, dem Präsidentenpalast. Weil ich politisch neugierig bin, fragte ich meine Bekannten, wen sie wählten:

Ahmad (Student, 20 Jahre): Dr. Ashraf Ghani hat meine Stimme bekommen. Er ist für mich der beste Kandidat, weil er in politischen Debatten im Fernsehen sich gegenüber den anderen Kandidaten behauptet hat. Außerdem hat einen sehr guten Entwicklungsplan für das Land und vor allem hat er sehr gute Kenntnisse von der Wirtschaft. Ich vertraue ihm, dass er Arbeitsplätze schafft. 

Zubair (Ladenbeistzer, 35 Jahre): Ich habe Dr. Abdullah gewählt, weil er einer von uns ist. Er kennt das Volk und sein Land sehr gut: Und er war die ganze Zeit hier, in guten und schlechten Zeiten. Dr. Abdullah hat gegen ausländische Invasoren gekämpft. Außerdem kenne ich ihn persönlich und seine Familie.

Maniza: (Beamtin, 53 Jahre):  Dr. Zalmai Rassul ist der richtige Mann für Afghanistan. Er wird die Politik von Hamid Karzai fortführen. Und die war gut. Wir haben nie solche friedliche und demokratische Zeiten erlebt, wenn ich es mit den Taliban- oder Mujaheddin-Regierungen vergleiche. Ihm traue ich, dass er eine ausgleichende Politik gegenüber dem Ausland, die für unser Land lebenswichtig ist, erfolgreich das Land führen wird. Obwohl es angedacht war, das vorläufige Ergebnis erst am 24. April zu veröffentlichen, heißt es inoffiziell, dass die Ergebnisse in den nächsten Tagen bekannt gegeben wird.
David Majed, Kabul


Nomaden im Frühling
 Foto: Nancy Dupree